#Autorinnenzeit: Bücher von Autorinnen, die in den Schulunterricht gehören

Bevor ich hier so richtig loslege: Marlen hat den Plan erstellt, nicht ich. Deshalb beschäftige ich mich heute mit Büchern von Autorinnen, die meiner Meinung nach unbedingt in den Schulunterricht gehören.


Schullektüre allgemein

Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber bei mir waren es doch eher Bücher von Männern, die im Schulunterricht durchgenommen wurden. Es gab sehr gute (Erich M. Remarque – Im Westen Nichts Neues), mittelmäßig gute (Louis Sachar – Löcher), weniger gute (Christian Kracht – Faserland) und grottenschlechte (Uwe Timm – Die Entdeckung der Currywurst) Schullektüre. Soweit ich mich erinnern kann, gab es in meiner Schulzeit ein Buch einer Autorin, das durchgenommen wurde und das ich auch weiter empfehlen kann.

Nach diesem einen Beispiel „Blueprint – Blaupause“ von Charlotte Kerner, wird die Liste von weiblicher Seite auch nicht viel länger. Auch im Englischunterricht waren beide Bücher an die ich mich erinnern kann von Männern geschrieben (viel mehr haben wir auch glaube ich nicht gelesen).

Wo liegt also das Problem? Meine Vermutung ist, dass es vor allem am Lehrpersonal liegt, das sich meist auf die Empfehlungsliste stürzt, weil es wohl zu aufwändig wäre, selbst nachzuschauen, ob es für das gewählte Thema sonst noch geeignete Bücher gibt. Ich möchte nicht gegen Lehrer wettern, aber einige Verlage (beispielsweise Carlsen) stellen sogar Unterrichtsmaterial zu ihren Titeln bereit. Man muss also im Zweifelsfall einfach mal die Augen aufmachen.

Warum das System nicht funktionieren kann.

Mal ganz ehrlich: Wie viele von den Büchern, die in deiner Schulzeit gelesen worden sind, hättest du von alleine gelesen? Eines? Vielleicht zwei? Schule ist doch vor allem Eines: Ein Zwangssystem. Ein Zwangssystem, das uns gerade dann trifft, wenn wir in einer Rebellions- und Trotzphase sind und eigentlich alles bescheuert finden, was mit Vorgaben zu tun hat. Denn wenn wir Schullektüre gehasst haben (war zumindest bei mir so), dann nicht (oder nicht immer) weil die Bücher wirklich schlecht waren, sondern weil wir GEZWUNGEN waren, sie zu lesen.

In den letzten Tagen habe ich im Rahmen der Autorinnenzeit auf einem Blog (ich weiß gerade nicht mehr wo) einen Artikel gelesen, in dem vorgeschlagen wurde, dass man einfach jedes Schuljahr aus der aktuellen Literatur (besonders Belletristik) einfach ein Buch raussucht. Das System fände ich richtig super. Vor allem, da ich der Meinung bin, dass es bei Schullektüre darum gehen sollte, die Schüler zum Lesen zu motivieren. Ich kenne aus meinen eigenen Erfahrungen nicht einen Schüler, der abgesehen von Schullektüre je ein Buch freiwillig in die Hand genommen, geschweige denn gelesen hat. Es gab wenige Ausnahmefälle wie mich, die ihre Liebe zum Lesen aber nicht in der Schule entdeckt haben. Die meisten meiner Mitschüler haben das Lesen abgelehnt, weil sie eben zum Lesen dieser bestimmten Titel gezwungen wurden.

Wenn die Schüler sich den zu lesenden Titel selbst auswählen dürfen, dann dürfte man schon von Haus aus mehr Motivation erwarten, besonders wenn die Wahl breiter als das typische „Pest“ oder „Cholera“ ausfällt. Eben weil es dann eine „bewusste“ Entscheidung war, dieses Buch zu lesen.

Vielleicht sollten wir das gemeinsame Lesen in der Schule weg von der stumpfen Literaturanalyse hin zu einer lockeren Leserunde bewegen. Klar dürfen Klassiker dabei nicht fehlen, aber ein Roman zusätzlich im Schuljahr ist doch wohl nicht zu viel verlangt (in der Oberstufe sollte man sowieso mindestens ca. 50 Seiten am Tag lesen können).

Was man so lesen könnte.

Mal ganz ab vom Kontext: Es gibt einige gute Bücher, die man einfach lassen kann. Ein Roman im Schuljahr ist doch nicht zu viel verlangt, oder? Zur Not lesen die Schüler halt in den Herbst- oder Winterferien und sprechen dann in der Schule darüber (in Schweden soll es extra Ferien dafür geben).

Beispiele für den Englischunterricht (eine Bekannte von mir hat mit ihrer Schulklasse The Maze Runner gelesen, also halte ich solche Lektüre durchaus für realistisch):

    

Becky Chambers – The Long Way To A Small Angry Planet

Wer hat gesagt, dass es zu wenig gute Science-Fiction von Frauen gibt? Richtig, das war ich. „Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten“ wie das Werk in der deutschen Ausgabe heißt, ist grandiose Science-Fiction und gerade auch für alle Leser interessant, die mit dem Gedanken spielen, zum ersten Mal Science-Fiction zu lesen. Auch wenn ich gerne meine eigenen Rezensionen verlinke, muss ich an dieser Stelle leider passen und gebe ab an Luana, bei der ich einen Leseeindruck dazu gefunden habe. -> siehe hier

Genevieve Cogman – The Invisible Library

Die deutsche Ausgabe der unsichtbaren Bibliothek dümpelt seit etwa einem halben Jahr auf meinem SuB rum, klingt aber gar nicht mal so uninteressant, gerade wenn man bedenkt, dass sich diese Auflistung hier vor allem an Jugendliche richten soll, die sich für Literatur interessieren wollen sollen.

Suzanne Collins – The Hunger Games

Fast schon ein Klassiker unter den Empfehlungen. Tatsächlich wird dieses Buch gerade in Englisch recht oft gelesen. Der Vorteil: Zu den Büchern gibt es Verfilmungen, die (zumindest zu Beginn) gar nicht mal so schlecht sind. Dann kann man gleich mal diskutieren, wie der Film das Buch umsetzt, womit man quasi zwei Klatschen mit einer Fliege geschlagen hat (genau, exakt so).

Marissa Meyer – Cinder

Zu Anfang wusste ich gar nicht, was ich davon halten soll. Bis ich das Buch (allerdings deutsch) gelesen habe. Bei den Lunar Chronicles handelt es sich um eine futuristisch sci-fi-mäßige Märchenadaption. Ein ganzes Stück weit ist der Handlungsverlauf mit dem „Original“ identisch (ich brauche wohl nicht zu erwähnen, wer hier Modell stand). Wer im Unterricht gerne über Märchen reden möchte: Marissa Meyer liefert ein gut geschriebenes modernes Märchen.

Erin Morgenstern – The Night Circus

Ich glaube, dieses Buch, haben wir exakt hier schon einmal gesehen. Warum dieses Buch auf der Liste gelandet ist, ist hier nachzulesen.


Halt, noch nicht abschalten! Das Ganze geht auch deutsch von und mit Selfpublisherinnen (um die es hier auch immer noch gehen soll):

  

M. D. Grand – Schatten

Für diese Empfehlung ignorierst du bitte, dass Marlen ein Team-Mitglied ist. Nein, sie hat mich nicht bestochen, dieses Buch mit aufzunehmen. Tatsächlich bietet Schatten nämlich alles, was man braucht, um von Fantasy begeistert zu sein: Gute Charaktere, eine packende Handlung und ein Setting, ohne dass man dafür wie ein Tolkien 500 Seiten nur für die Einleitung braucht (Schatten ist vorbei, bis du auch nur in der Nähe der 500 angekommen bist).

Nina C. Hasse – Ersticktes Matt

Wir sollten alle viel mehr Steampunk lesen. Punkt. Außerdem: Wer liest nicht gerne Kriminalromane? Kann in der Schule jedenfalls nicht schaden, sich mal einen solchen vorzunehmen.

Nika Sachs – Namenlos

Um den Kreis wieder zu schließen, hier eine Empfehlung für alle Lehrer, die gerne ein bisschen „literarischen“ Anspruch vermitteln wollen. Da man ein bisschen Vorbildung mitbringen muss, kann ich mir das Buch wirklich gut in der Oberstufe vorstellen, spätestens, wenn es um die Moderne und Postmoderne geht. Und wenn man Gegenwartsliteratur sucht, die zudem nicht zu umfangreich ist, führt an Nika Sachs (aka Bordsteinprosa) kein Weg vorbei (oder vielleicht doch, mir ist allerdings keiner bekannt).


Was habe ich vergessen (ich habe garantiert etwas vergessen)? Welche Bücher würdest du gerne in der Schule sehen? Der Weg muss unbedingt in eine andere Richtung gehen. Die Frage ist nur: In Welche?

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