[Quergedanken] #1: Novemberzeit ist NaNo-Zeit.

Wieder einmal ist es soweit: Überall auf der großen weiten Welt kommen großartige Schriftsteller und solche, die es gerade werden, aus ihren stillen Kammern gekrochen. Von Abidjan (CIV) bis Zhengzhou (CHN) zelebriert die weltweite Schriftstellergemeinde DAS Schreibevent des Jahres.

Beim sogenannten National Novel Writing Month, kurz auch NaNoWriMo geht es darum, in innerhalb eines Monats ein festgelegtes Wortziel zu erreichen. Beim „Hauptevent“ im November sind das 50.000 Wörter in 30 Tagen. Macht also schlappe 1.667 Wörter am Tag.

Aus wissenschaftlicher Sicht ist dieses Schreibevent ein lupenreines Paradoxon. So gut wie jeder Schriftsteller der am NaNo teilnimmt tauscht in regelmäßigen Abständen mit seinen Buddies über die Erfolge aus oder jammert ihnen die Ohren voll, dass er schon wieder zwei Wörter zu wenig zu Papier gebracht hat. Um diesen Zustand allerdings zu erreichen, müssen Familie, Freunde und sonstige Sozialkontakte hinten anstehen. Ist ja auch kein Problem, den praktischerweise ist ja nach dem NaNo bald Weihnachten, wo man den Liebsten schon mal einen kurzen Blick auf den unter Schlafmangel, Tränen und Koffeinüberdosis erzielten Erfolg gönnen kann.

Wer sich auf Twitter oder anderen kollektiven Zeitfresser-Plattformen einmal umschaut oder sich dort halbwegs ordentlich unter schreibenden Menschen tummelt, wird folgende Entdeckung machen: So gegen Mitte Oktober macht sich die Euphorie (stellenweise gepaart mit der Angst, die Planung nicht bis Halloween fertig zu haben) vor dem NaNo richtig breit und füllt so ziemlich jeden Winkel aus. Und: Den Absatz von schokoladenhaltigen Lebensmitteln kann man im November nicht mehr in Kilogramm messen. Meinen Beobachtungen (ich habe viele Schriftsteller in meiner Timeline) nach müsste man den Schokoladenabsatz eher in Exagramm angeben.

Die Frage ist allerdings: Warum tun sich Menschen so etwas an? Im Prinzip ist es wie Achterbahnen besuchen, man muss es nicht, macht es aber trotzdem, weil man es eben kann. Tatsächlich gibt es wichtige Gründe, am Schreibwahnsinn (nicht) teilzunehmen. Gründe, die selbst ich an meiner linken Hand (welche von beiden das ist, darfst du dir aussuchen) abzählen kann. Da Daumen eigentlich keine Finger sind, werde ich dir drei Gründe für und gegen den NaNo aufzeigen.

3 Gründe, die für eine Teilnahme am Massaker (an leeren Manuskriptseiten) sprechen:

1. Man hat einen Grund, lastwagenweise Schokolade zu kaufen

Wie bereits erwähnt ist es kein Geheimnis, dass der Schokoladenkonsum unter Autoren im November exponentiell ansteigt. Die Sache hat einen entscheidenden Hintergrund: Schriftsteller verbrennen wirklich jede (durch die Schoki aufgenommene) Kalorie durch den heftigen Fingermarathon auf der Tastatur, können also soviel Schokolade essen, wie sie wollen, ohne auf ihre Figur achten zu müssen. Und ganz ehrlich: Schokolade – egal ob als Tafel oder in Form von geköpften Weihnachtsmännern neben den letzten überlebenden Osterhasen – gehört zum NaNo wie ein Buch in die Tasche, wenn man unterwegs ist.

2. Man tritt mehr oder weniger regelmäßig mit potenziellen Kollegen in Kontakt

Irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem man die Kombination aus sozialer Isolation und ständigem Kampf mit den Manuskriptseiten nicht mehr ertragen kann. Normale soziale Interaktionen mit Außenstehenden sind leider strengstens untersagt, denn diese Menschen verstehen unsere Sorgen einfach nicht.

Die Lösung ist denkbar einfach: Es gibt im offiziellen NaNo-Forum und in den sozialen Netzwerken die Möglichkeit, sich einen sogenannten Buddy zu suchen. Buddies haben gegenüber Mama oder den besten Freunden (wenn die nicht zufälligerweise auch schreibverrückt sind) einen enormen Vorteil: Sie kennen dein Problem. Sie hatten es, haben es oder werden es irgendwann haben. Da hilft es, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen.

3. Man schreibt SEHR VIEL

Egal, ob im Bus, bei der Arbeit oder sogar auf dem stillen Örtchen: Plötzlich kann man einfach überall schreiben. Jedes noch so unscheinbare Wort, das man zu Papier oder zu Textdokument bringt, führt näher an das Wortziel heran.

Und das ist doch die Hauptsache: Man bekommt sein Manuskript geschrieben. Auch wenn es nach 50.000 Wörtern noch nicht fertig ist, 50.000 sind ein guter Schritt in die richtige Richtung, egal ob der Roman am Ende 50.000 oder 500.000 Wörter hat. Jedes Wort in der Rohfassung macht dich um eine Erfahrung reicher. Überarbeiten kannst du später noch genug.


Gründe, die gegen den NaNo sprechen (und für die NaNo-Enthusiasten mich hassen werden):

1. Man hat ja auch noch andere Hobbies, die Zeit in Anspruch nehmen

Ob Schule, Uni, Ausbildung oder Arbeit. Jeder von uns hat irgend eines dieser Vollzeithobbies, die uns vom Schreiben abhalten. Da passiert es schnell, dass man neben der gepflegten 120-Stunden-Woche kaum bis gar keine Zeit für ein Buch findet. Lesen und Schreiben geht unter extremen Zeitdruck nicht so gut. Also lieber gleich sein lassen, nicht?

2. Der SuB ist so groß, dass man sich leicht vom Schreiben ablenken lässt

Vor allem Buchblogger (die bei aller Bibliophilie selber schreiben wollen) werden dieses Problem kennen. Mal ganz abgesehen davon, dass sich schreibende Buchblogger immer gleich einbilden der/die nächste Murakami zu werden (um mal GANZ tief in die Klischee-Mottenkiste zu greifen), haben gerade diese Menschen soviele Bücher auf dem Stapel ungelesener Bücher, dass man das Regal vor lauter Büchern nicht mehr sieht. Da ist es doch viel bequemer, sich ein Buch aus diesem Stapel zu nehmen (bitte von oben, sonst fällt alles um) und sich damit in die stille Ecke zu setzen.

3. Man ist kein richtiger Schriftsteller

Richtig gehört. Denn eigentlich gibt es keinen Grund, als werdender Schriftsteller nicht am NaNo teilzunehmen. Alle „Gründe“ die angeblich dagegen sprechen sind in den meisten Fällen nur fadenscheinige Ausreden, die einfach nur sagen: Ich habe keine Lust dazu. Und wenn man schon so anfängt, kann man auch gleich die Wahrheit sagen: Das Schreiben ist mir nicht wichtig, also bin ich kein Schriftsteller. Ganz ehrlich, wenn du schon so anfängst, dann lass es lieber gleich sein.


Deckel drauf.

Das Schreiben gerade längerer Romane ist eine Kunst, eine Leidenschaft und in vielen Situationen wirklich harte Arbeit. Wenn du nicht trotz allen Widrigkeiten mit Herzblut bei der Sache bist, solltest du dich fragen, ob die Schreiberei wirklich das Richtige für dich ist.

Gerade der NaNoWriMo ist eine gute Gelegenheit das unter Beweis zu stellen. Du lernst, mit Fristen, Frust und Trauer umzugehen. Du lernst dich zu freuen und jeden kleinen Erfolg auf dem Weg zum großen Ziel zu feiern. Denn wenn wir ehrlich sind, ist es nicht wichtig, den NaNo zu gewinnen. Wichtig ist nur, es versucht zu haben.

In diesem Sinne: Auf einen frohen und erfolgreichen NaNoWriMo! 😉

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