[Rezension] Allein im Miteinander von Sven Hensel

bibliografische Angaben

Autor/In Sven Hensel
Titel Allein im Miteinander
Verlag Selfpublisher | CreateSpace Independent Publishing Platform
Format Taschenbuch / E-Book
Seitenzahl 132 Seiten
Erscheinungsdatum 23. Oktober 2015
Altersempfehlung (eigene Einschätzung) ab 12 Jahren
Genre Gegenwartsliteratur
Schlagwörter Theaterstück, Rassismus, Deutschland
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Klappentext

Murat Erdal ist Inhaber eines Kiosks in der Kölner Innenstadt und trifft dort tagsüber auf unterschiedliche Menschen, die mit einem unterschwelligen Rassismus aus ihren Leben erzählen. Sogar er selbst wird zur Zielscheibe solcher Anfeindungen, die letztendlich in der Frage gipfeln, ob dieses Land überhaupt noch seine Heimat ist. Ein Theaterstück über den Alltagsrassismus in Deutschland.

Der erste Satz

Harald: Was denn nun los, Murat? Du machst doch den Laden heute nicht früher wegen diesen Schmarotzern dicht, oder?

Zur Geschichte selbst

Bei diesem Buch handelt es sich um ein Theaterstück. Der Autor beschreibt den Alltagsrassismus, den ein türkischer Ladenbesitzer Tag für Tag erleben muss. Dabei ist dieser Rassismus selbst eher subtil und nicht immer bemerkt man, womit man es gerade zu tun hat. Daher wird man von der Hauptfigur selbst darauf hingewiesen, dass der Gedankengang oder die Wortwahl nicht korrekt war. Dadurch ist die Möglichkeit geschaffen, sich selbst zu hinterfragen.

Meine Meinung

Von diesem Buch habe ich auf Twitter durch die Lesung einer anderen Autorin (Jasmin Zipperling) erfahren und war froh, dass der Autor mir dieses Werk als Rezensionsexemplar überlassen hat. Danke noch einmal an dieser Stelle. Denn ich kann schon vorneweg sagen, es lohnt sich.

Auch wenn ich vorbereitet war, es war trotzdem überraschend, dass es um ein Theaterstück handelt. Denn die meisten Autorinnen und Autoren schreiben Bücher und eben keine Theaterstücke. Daher fand ich allein die Idee faszinierend.

Es geht bei dem Stück um den türkischen Ladenbesitzer Murat Erdal. Sein Vater kam in den sechziger Jahren als Gastarbeiter nach Deutschland und hatte dann den Laden eröffnet, den dann sein Sohn Murat übernommen hat.

Anfänglich ist die Welt halbwegs noch heil. Aber man merkt, dass Murat sich mit leichten rassistischen Spitzen auseinandersetzen muss. Das liest sich schön aus dem Text heraus, dass er schon anders reagieren würde, als er es letztendlich tut. Denn immerhin sind auch die Rassisten seine Kundschaft. Und von denen ist er abhängig.

In seinen Laden kommen die verschiedensten Leute, die man in einem typischen Getränke- und Zeitschriftenladen durchaus erwarten darf. Natürlich der Trinker, der Arbeiter und seine Ehefrau, Kinder und Laufkundschaft. Sie alle bringen ihre eigenen Geschichten mit, die sie belastet oder berührt. Und sie alle haben ihre Vorurteile oder ihre rassistischen Gedanken. Mal zeigen sie diese offen, mal nicht. Manche sind sogar der Meinung, es wäre richtig, was sie denken, meinen und sagen.

Sie halten es für völlig normal, dass sie gewisse Gedanken haben. Immerhin werden sie auch von den Medien doch dabei unterstützt. Und ich bin mir sicher, dass einige beim Lesen der Thesen, die in dem Stück aufgeführt haben, auch erst einmal nickten. Bis sie sich dann ertappt fühlten, nachdem Murat sie aufklärte. Unaufdringlich und doch beharrlich. So lernt man noch ein wenig mehr über sich und über das, was man dank der Medien täglich aufnimmt.

Doch erst dieses Theaterstück entlarvt das alles als Rassismus. Dinge, die sich so dermaßen in die Alltagsgedanken gedrängt haben, dass man selbst gar nicht mehr in der Lage ist, das wirklich zu erkennen. Daher ist es gut, dass der Autor Murat all diese weisen Worte in den Mund legt, damit man sich selbst überprüfen kann. Wer bin ich und was denke ich.


Mein Fazit

Nach diesem Buch weiß ich, warum der Autor liebevoll als „Emotionsterrorist“ bezeichnet wird. Während des Buches hat man immer wieder eine gewisse Wut und zugleich auch Traurigkeit im Bauch. Wut, weil man sich fragt, warum eine Bevölkerungsgruppe so behandelt wird, obwohl sie zu Deutschland gehört. Und Traurigkeit, weil man weiß, dass das keine Geschichte ist. Denn dieser feine Rassismus wird täglich gelebt und zeigt sich in zu vielen Elementen.

Das, was in diesem Buch gezeigt wird, ist zudem, was aktuell in Deutschland passiert, noch harmlos. Auch wenn es persönliche Schicksale sind, die auf keinen Fall heruntergespielt werden dürfen.

Es ist schon fast wichtig, dass dieses Buch gelesen wird. Nicht nur im privaten Bereich, sondern auch in den Schulen. Zwar gibt es manche Stellen, da fand ich die Wortwahl eigenwillig. Da hätte ich mir durchaus eine kritische Überarbeitung gewünscht. Gerade wenn ein normaler Arbeiter mit einem Male wie ein Philosoph spricht. Oder, wenn Murat über Dinge spricht, wo man eindeutig erkennt, dass es nur Info Dump ist. Doch sind das eher Kleinigkeiten, die dem Lesespaß keinen Abbruch tun.

Daher kann ich ganz klar sagen, das ist eine absolute Perle. Sie tut weh und sollte daher umso mehr gelesen werden. Auch gerade, weil es das erste Buch seit längerer Zeit ist, bei dem ich mir am Ende ein Tränchen verkneifen musste.

 

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