[Rezension] Wolfssucht von Nora Bendzko

bibliografische Angaben

Autorin Nora Bendzko
Titel Wolfssucht
Verlag Selfpublisher | CreateSpace / KDP
Format E-Book und Print
Seitenzahl ca. 124
Erscheinungsdatum 14. Mai 2016
Altersempfehlung (eigene Einschätzung) ab 16 Jahren
Genre Horror
Schlagwörter Rotkäppchen, Wolf, 30jähriger Krieg, Märchen, Horror
Leseprobe Hier

Klappentext

»Bleib ruhig«, flüsterte Leonore. »Wenn wir uns nicht bewegen, geht es vielleicht weg.« Irina musste als Kind mit ansehen, wie ihre Schwester Leonore ermordet wurde. Nur weil Skandar, der Sohn des Jägers, sie beschützte, ist Irina noch am Leben. Selbst als Erwachsene verfolgen sie die Bilder des brutalen Mordes. In ihrem Dorf fühlt sie sich ausgestoßen. Hinter ihrem Rücken nennt man sie verflucht. Allein Skandar will Irina für sich gewinnen. Als er sein Ziel nicht erreicht, schlägt seine Zuneigung in Gewalt um. Irina muss fliehen. Doch »es« lauert immer noch da draußen. Im finsteren Wald. Leonores Mörder hat Irina nicht vergessen. Ihre erneute Begegnung setzt blutige Ereignisse in Gang, die das ganze Dorf ins Verderben zu reißen drohen … Eine düstere Horror-Novelle zur Zeit des 30-jährigen Krieges, angelehnt an das bekannte Märchen der Brüder Grimm: »Rotkäppchen«.

Der erste Satz

„Irina war sechs Jahre alt, als sie den Krieg kennenlernte: Ein Heimat und Leben verschlingendes Ungeheuer.“

Zur Geschichte selbst

Es handelt sich hierbei um eine Novelle von etwas mehr als 100 Seiten. Die Geschichte wird aus der Perspektive von Irina in der dritten Person erzählt. Kurz vor Ende gibt es eine Rückblende, die aus der Sicht ihrer Großmutter aus der Ich-Perspektive geschrieben wurde.

Irina muss als Kind mit erleben, wir ihre Eltern und ihre ältere Schwester ermordet werden, als sie vor den Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges in ihrem Dorf fliehen müssen. Sie selbst überlebt nur, weil der Jäger Skandar ihr das Leben rettet und sie fortan beschützt.

Doch das Leben im neuen Dorf der Großmutter ist für Irina schwer zu ertragen. Denn sie fühlt sich einfach nicht heimisch. Nur die rote Kappe und ein Ruf aus dem Wald geben ihr so etwas wie Halt.

Wenn da nicht der böse Wolf und der Jäger wären.

An dieser Stelle möchte ich nicht zu viel verraten. Zum Einen gibt es da sehr viele gute Rezensionen zum Inhalt der Novelle. Und zum anderen möchte ich auch nicht riskieren, versehentlich zu Spoilern. Am besten machst Du Dir selbst ein Bild von diesem Buch.

Meine Meinung

Wolfssucht

Das Cover finde ich gleichzeitig ansprechend und irritierend zugleich. Es zeigt eine Person mitten im Wald, welche von allen Seiten quasi beschienen wird. Irgendwie nicht fassbar und doch durchaus ansprechend.

An dem Buch hat mir gefallen, dass wir es hier mit einer Geschichte zu tun haben, die so theoretisch irgendwie hätte spielen können. Es wirkt alles, mehr oder weniger, durchaus realistisch und nachvollziehbar. Immerhin gab es in der deutschen bzw. europäischen Geschichte Kriege. Und warum sollte es nicht eine Familie mit einer Irina gegeben haben, welche durch den Krieg ihre Familie verlor. Dann in ein anderes Dorf musste und zu guter Letzt das erlebte, was sie in der Geschichte erlebte.

Was mir hier Spaß gemacht hat, waren die klassischen Elemente aus dem Märchen zu suchen und zu finden. Und man findet sie auch. Daher darf und sollte man durchaus offen durch die Seiten lesen, da ich ein oder zwei Elemente durch meine Unachtsamkeit erst im Nachhinein erkannt habe. Die Autorin zwingt also nicht die Elemente auf mit dem Hinweis, schau mal hier, das solltest Du kennen. Es ist eher subtil, was sie schreibt. Und das mag ich.

Und zudem hat es die Autorin geschafft, die Spannung bis zum Schluss aufrechtzuerhalten. Ich habe mich die ganze Zeit gefragt, wie es ausgeht, was mit Irina passiert und wie es weitergeht. Gerade wenn ich gesehen habe, wie wenige Seiten ich noch habe und damit die Geschichte bald zu Ende ist. Und eins kann ich sagen, mit diesem Ende habe ich nicht gerechnet. Es ist definitiv überraschend.

Was mir nicht gefallen hat, ist die Sprache, welche die Autorin verwendet. Immerhin sagt sie, dass wir uns zeitlich während des Dreißigjährigen Krieges befinden (also zwischen 1618 und 1648). Doch an der Sprache merke ich dies überhaupt nicht. Oder auch an irgendwelchen Hinweisen, damit ich es selbst nachvollziehen könnte (Nennung des Namens eines Königs als Beispiel). Wenn der Klappentext nicht gewesen wäre, ich hätte nicht gewusst, wo wir sind. Es hätte auch ein Dorf im tiefsten Wald der sechziger Jahre sein können.

Doch ist das der einzige Punkt, der mich halbwegs gestört hat. Dem Lesegenuss war es nicht abträglich.


Mein Fazit

Es ist der Debütroman der Autorin und der hat zwar die eine oder andere Schwäche. Aber das soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass es ein starker Erstling ist. Wer sich für Horrornovellen interessiert, sollte dem Buch definitiv eine Chance geben. Man kann es an einem ruhigen Nachmittag entspannt durchlesen und sieht das Märchen um Rotkäppchen vielleicht in einem anderen Licht.

 

Advertisements

Ein Gedanke zu “[Rezension] Wolfssucht von Nora Bendzko

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s